Es wird langsam hell, Vögel zwitschern in die Morgenröte hinein. Eine frische Brise verrät, dass der Frühling kommen wird. Ein Sonnenaufgang wie im Märchen, alles wirkt wie immer, und doch ist heute kein gewöhnlicher Tag. Schülerscouts sollen die ankommenden Menschenmassen ins Alexander-von-Humboldt-Gymnasium leiten, genauer gesagt ins gut versteckte Forum im zweiten Stock, denn heute findet hier der Regionalwettbewerb „Jugend debattiert“ des Regionalverbunds Bremen I statt. In zwei Altersgruppen, Jahrgang 9 und Einführungsphase (E-Phase), nehmen die Verbundschulen Oberschule Rockwinkel, das SZ Carl von Ossietzky Bremerhaven, die St.-Johannis-Schule, das Gymnasium an der Hamburger Straße und das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium daran teil. Jedes Jahr wird dieses große Ereignis an einer anderen Schule ausgetragen. In diesem Jahr ist es für unser Gymnasium ein großes Privileg und eine Ehre, Gastgeber für alle sein zu dürfen.


Seit einigen Monaten bereiten sich alle Schulen durch eine Unterrichtseinheit und den vorherigen Schulwettbewerb in „Jugend debattiert“ auf den heutigen Tag vor. Im Wettbewerb kämpfen jeweils zwei Debattierende für und zwei gegen eine Streitfrage und eine Jury entscheidet über die anschlie­ßende Platzierung.

Um 8.15 Uhr hat Organisatorin Frau Woida bereits gut zu tun: Über 20 Teilnehmende müssen sich einzeln bei ihr in Raum 205 nahe des Forums anmelden, der ausgeklügelte Debattenplan muss aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen für nachgerückte Debattierende und Ersatzjurymitglieder an vielen Stellen komplett umgekrempelt werden. Mehrere Klassenräume wurden am Vortag von den neunten Klassen kurzerhand zu professionellen Debattierräumen umfunktioniert. Für Teilnehmende sind Räumlichkeiten reserviert, in die sie sich zurückziehen können, frisch belegte Brötchen und Getränke dürfen zur Vorbereitung auf nervenaufreibende Debatten schließlich nicht fehlen. Zum Essen bleibt jetzt jedoch keine Zeit, gleich geht die erst Debattenrunde los. Jubelnde, kreischende Freunde lockern die angespannte Atmosphäre auf, Tische sind im wahrsten Sinne des Wortes besetzt. Doch jegliche Schreie verstummen, als Schulleiterin Peggy Mascher und stellvertretender Schulleiter Karsten Lüpke um 8.30 Uhr die Eröffnungs- und Willkommensrede halten. Dann strömen die Menschenmengen in verschiedene Räume, wo gleich die erste Debattenrunde stattfinden wird.

Es ist 9 Uhr und ungewöhnliche Stille macht sich in den Räumen breit. Hinter den jeweils vier zuvor hergerichteten Debattierpulten stehen die Debattierenden und warten auf das Startsignal. Drei Jurymitglieder treffen letzte Vorbereitungen, dann gibt der Zeitnehmer das Startsignal. Die Frage für die drei zeitgleich stattfindenden Debatten der neunten Klassen lautet: „Sollen im Deutschunterricht regelmäßig längere Gedichte auswendig gelernt werden?“ Für die E-Phase geht es derweil darum, ob Zeiten, in denen Schwimmbäder ausschließlich Frauen offenstehen, ausgeweitet werden sollen. Das Klingeln ertönt, sofort beginnen die Debattierenden zu sprechen, der Wortkampf startet. Während der Einführungsrunde, für die jede/r Redner/in zwei Minuten Zeit hat, geht es noch vergleichsweise harmlos zu, doch spätestens in der sogenannten „Freien Aussprache“ pfeffern sich Pro- und Kontraseite starke Argumente an die Köpfe. Beweisen wollen sie alle, was sie drauf haben, es geht auch um den Ruf ihrer Schule. Dann läutet der Zeitwächter mit der Jugend-debattiert-Glocke – die Zeit ist gleich um. Es wird unruhig, hastig versucht man, seinen Satz noch zu Ende zu bringen. In der Schlussrunde werden noch kurz die wichtigste Argumentation der Gegenseite und die eigene Position zusammengefasst, dann ist die Debatte zu Ende. Zuschauende und Debattierende verlassen den Raum, doch die Jury bleibt: Innerhalb von 15 Minuten werden Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft bewertet. Wer war richtig brillant oder noch nicht so gut, wer hat seine Redezeit gut genutzt oder sich zu wenig beteiligt, wer hat klar und deutlich oder zu leise gesprochen? Im Team tragen die Juroren ihre Bewertungen zusammen.

Die Zeit zwischen den Debatten, welche für die Debattierenden die wohl entspannteste Zeit des Regionalfinales ist, ist für die Helfer hinter den Kulissen die wohl stressigste. Sind die Jurymitglieder mit ihren Ergebnissen endlich aus dem Räumen, wird erst einmal gründlich gelüftet. Gleichzeitig werden neue Bewertungsbögen für die Jurys und Blankozettel für Notizen für die Debattierenden zurechtgelegt. Nicht zu vergessen sind die Gläser mit frischem Wasser, um die hitzigen Gemüter bei der nächsten Debatte abzukühlen. Aber zu frischem Wasser gehören auch frische Gläser, welche unter Hochdruck gereinigt, abgetrocknet und an ihren Platz zurück gestellt werden. In der stickigen, engen Kioskküche drei Räume weiter ist die Hölle los: Helfer glühen vor Anstrengung, um alle mit frischen Brötchen zu versorgen. Schnurstracks werden Neuntklässler dazu beordert, die Müllsäcke zu entleeren und auszutauschen. An dieser Stelle ein Riesendankeschön an Frau Barban und ihr Team, die sich mit großem Einsatz um das leibliche Wohl unserer Gäste und viel Organisatorisches Drumherum gekümmert haben.

Nach der Pause steht dann um 10.30 Uhr die zweite Vorrunde an, Spannung liegt in der Luft. Wie bei den ersten Vorrunden auch platzieren sich alle Beteiligte und warten auf das Startsignal. „Sollen die Bußgelder für Verschmutzungen des öffentlichen Raumes angehoben werden?“, so die Frage der ersten Altersstufe, Jahrgang 9. Die zwei Debatten der zweiten Altersstufe lautet dieses Mal: „Soll in Innenstädten das Betteln verboten werden?“ Nach fünf aufregenden Debatten steht eine Pause an, es wird wieder alles hergerichtet und die Jury berät sich. Dieses Mal wird entschieden, wer es ins Finale geschafft hat. Erste Vermutungen werden aufgestellt, ob sie wohl stimmen? Mit großen Augen erwarten alle die Ergebnisse, bis Frau Woidas Stimme endlich durch den Raum hallt. „Und ins Finale gekommen ist...“ Stille. „Anni, Ben, Malu und Elias!“ Alles schreit, Fans springen auf, gleichzeitig macht sich aber auch Enttäuschung unter den Verlierern breit. Die Schülerinnen und Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums, der St.-Johannis-Schule und des Gymnasiums an der Hamburger Straße sind sehr erfreut, denn alle drei Schulen sind im Finale vertreten. Nach kurzem, aber kräftigem Applaus werden auch die Ergebnisse aus Altersgruppe 2 bekanntgegeben: Vier glückliche Gewinner habe es ins Finale geschafft. Einer von ihnen ist Joost Haddinga von der Oberschule Rockwinkel, dessen Name später noch von Bedeutung ist.

Um Punkt 12 Uhr starten dann die zwei wohl spannendsten Debatten des Tages, die Finaldebatten. Für die neunten Klassen prangert die Streitfrage schon an den Tafeln im Forum: „Soll eine Kennzeichnungspflicht für Fleisch aus Massentierhaltung eingeführt werden?“ In Raum 210 geht es derweil um die Streitfrage, ob in Stadt- und Gemeinderäten Jugendquoten eingeführt werden sollen. Die acht stolzen Finalisten begeben sich an ihre Plätze und die zwei Jurys bereiten sich auf die alles entscheidenden Debatten vor. In diesen beiden Debatten debattieren die Besten der Besten gegeneinander, überzeugt, dass sie gewinnen werden. Nach zwei heftigen Wortkämpfen und einer sich sehr lang hinziehenden Pause kommen die Jurys zu nicht sehr leichten Entscheidungen, da die Finalisten überzeugend und sicher debattiert haben. Aufregung und Neugierde liegt in der Luft, wer sind die besten Debattierenden aus unserem Regionalverbund? „Und die Sieger der Altersgruppe 1 sind...“ Wieder Frau Woida, wieder Stille, nur die großen Fanplakate knistern noch. „Auf Platz zwei Anni Kienke vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium“, der Jubel geht los, „auf Platz 1 Ben Bukes von der St.-Johannis-Schule!“ Es wird um Ruhe gebeten, dann ertönt Frau Woidas Stimme wieder. „Gewonnen in der Altersgruppe zwei hat Joost Haddinga aus der Oberschule Rockwinkel.“ Den stolzen Siegern wird freudig gratuliert.

Zu guter Letzt werden noch einmal alle fleißigen Teilnehmenden und Helfenden nach vorne gerufen, um für den großen Aufwand geehrt zu werden. Die jeweils Erst- und Zweitplatzierten pro Altersgruppe erhalten einen Büchergutschein, zudem einen dreitägigen Rhetorik-Lehrgang in Worpswede, damit sie sich perfekt auf die Landesqualifikation vorbereiten können. Außerdem wird den Helfern mit einer Urkunde gedankt und natürlich Frau Woida, ohne die das alles nicht in diesem Rahmen stattgefunden hätte.

Langsam kehrt wieder Stille in den zweiten Stock des A-Gebäudes ein, denn die Gäste gehen nach diesem aufregenden Tag nach Hause, manche glücklich, manche vielleicht auch ein bisschen enttäuscht. Die neunten Klassen unserer Schule müssen bleiben, da es noch viel zu erledigen gibt. Tische und Stühle werden wieder in die richtige Ordnung gebracht, es wird gefegt, doch dann sind auch sie nach einem langen und anstrengenden Tag entlassen.

Judith, Leonie und Nele, Jahrgang 9, WP-Kurs „Schülerzeitung“

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